Dem Täter auf der Spur [NEUE FAKTEN 18.05.2018]

Immer mehr Mieter berichten uns von Entwendungen aus Päckchen und Paketen, die vertrauensvoll in die Hände der DHL gegeben wurden. Das perfide dabei ist, dass jeweils nicht die gesamte Sendung gestohlen oder unterschlagen wurde …

„Danke für die Süßigkeiten“, sagte die in München wohnende Enkelin am Telefon zu ihrer Großmutter in Berlin-Mitte. Hätte diese sich nicht danach erkundigt, ob denn der Stabmixer den Vorstellungen der Enkelin entspreche, wäre die Straftat vielleicht niemals bemerkt worden.

Unabhängig davon, ob ein Päckchen für 4,00 € bzw. 4,50 € an Porto aufgegeben wurde oder ein Paket zu 6,99 € bis 16,49 €, werden vermehrt Berichte darüber laut, dass Sendungen vorsichtig geöffnet und einzelne Gegenstände entwendet werden. Danach werden die Kartons mit braunem oder durchsichtigem Klebeband wieder verschlossen und erreichen ohne auffällige Verzögerung den Adressaten. Als Beute wurden uns neben Elektro-Kleingeräten vor allem Kosmetika bzw. Gutscheine bekannter Händler dafür, Bijouterie und Textilien genannt. An Süßigkeiten, egal wie edel sie auch sein mögen, hat der Täter hingegen kein Interesse. Ebenso nicht an allem anderen, was man essen oder trinken kann. Hat er vielleicht Angst davor, dass von bereits einmal Geschädigten vergiftete Lebensmittel auf den Weg gebracht werden? Übrigens: Ein solches Vorgehen wäre strafbar; insbesondere nicht durch Notwehr o.ä. gerechtfertigt.

Der Inhalt von Päckchen ist ohnehin nicht versichert, der von Paketen schon. Hier beruft sich das angesprochene Unternehmen (Deutsche Post/DHL) gern auf die sehr kurze Ausschlussfrist, nach deren Ablauf ohnehin keine Entschädigungspflicht mehr bestehe. Die kurze Frist kann bereits abgelaufen sein, noch bevor überhaupt herauskam, dass ein Teil der Sendung entfernt wurde.

Die Staatsanwaltschaft Berlin befasst sich trotz personeller Unterbesetzung mit dem Phänomen seit einiger Zeit unter dem Geschäftszeichen 283 UJs 1642/17. Sollten auch Sie zu den Geschädigten gehören, was Sie vielleicht auch erst jetzt bemerken, nachdem Sie Ihre Kenntnis vom Inhalt der Sendung mit der des Empfänger abgeglichen haben, so melden Sie dies bitte der „Staatsanwaltschaft, 10548 Berlin“ unter Angabe des o.g. Geschäftszeichen. Je mehr Geschädigte sich dort melden, umso intensiver wird ermittelt. Je mehr Einzelheiten bekannt werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass dem Täter auf die Spur gekommen wird.

NACHTRAG am 18. Mai 2018:

Nach einem halben Jahr gab es eine erste Reaktion der Staatsanwaltschaft Berlin, die so aussieht:

Na dann fangen wir eben von vorne an.

 

Autor: Henry Henning

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